Für 3 Monate in Indien

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Kleine Krise

Hallo ihr Lieben!

Heute nur mal ein kurzer Eintrag. Ich habe heute mal wieder ein neues Video hochgeladen. Ich bin gestern von der Schule wiedergekommen, hatte gerade Lunch gehabt und ich dachte, ich zeige euch mal, wie das so aussieht, wenn man vom Tor aus zum Gästehaus geht. Wo genau mein Zimmer zu finden ist sieht man dann auch und das Esszimmer habe ich euch auch mal gezeigt. Eine Info hatte ich im Video vergessen zu erwähnen: Das kleine Fenster, was man neben dem Kühlschrank kurz sieht, das ist das Fenster zur Küche. Also eigentlich kein Fenster, man kann die Glasscheiben aufschieben und dann halt in die Küche gucken.
Ich hoffe, es gefällt.
Gestern hatte ich übrigens eine kleine Miniatur-Krise, nichts schlimmes. Es hat mich einfach nur so gepackt, ich weiß nicht, wieso. Aber vielleicht brauche ich einfach nur etwas Zuspruch… Ich habe so das erste Mal darüber nachgedacht, was eigentlich wird, wenn ich nach Hause komme. Bisher waren es immer nur pure Glücksgefühle, wenn ich daran gedacht habe – aber was ist ein paar Tage später, habe ich mir dann gedacht? Was, wenn ich nicht mehr dazugehöre, nicht mehr reinpasse? Mag irrational klingen, ist es vermutlich auch. Aber trotzdem.. Das war vielleicht ein komisches Gefühl, mal so ganz anders über meine Heimkehr nachzudenken. Nicht, dass das meine Freude auf zu Hause in irgendeiner Weise dämmen würde, aber es ist halt so eine kleine zusätzliche Angst, obwohl sich ja eigentlich nichts verändert, sondern nur alles „back to normal“ ist.

Aber das nur mal so am Rande erwähnt, wie gesagt, es war jetzt keine Weltuntergangsstimmung, nur so eine kleine, etwas unangenehme Angst, die aber auch wieder verschwunden ist.

Jetzt viel Spaß mit dem neuen Video
Ihr hört sicherlich bald wieder von mir!

Bis bald, meine Besten.

Jana <3



23.10.09 15:24


FAQ's

Hallo ihr Lieben!

Tut mir Leid, das hat mal wieder etwas gedauert. Ich habe mich erkältet und bin daher die letzten zwei Tage im Gästehaus geblieben und nicht zur Schule gegangen. Das war vielleicht langweilig. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich krank werden würde – um mich herum sind ja auch alle krank. Erst Elizabeth, dann Jerusha, dann irgendwie der gefühlte Rest der Theodore Public School … Und jetzt auch ich. Sarah meint, das liegt daran, dass es hier langsam kalt wird. Also ich merke davon nichts, aber vielleicht ist es gerade das. Wenn ich abends nach Hause gebracht werde, werfe ich mir halt der Moskitos wegen ein Tuch über, aber das war’s dann auch schon. Gut, das habe ich jetzt davon.
Es hat zwar mal gut getan, zur Abwechslung mal ausschlafen zu können, aber wie gesagt – es war langweilig, den ganzen Tag nichts zu tun. Ich habe zwar neuen Lesestoff und ein paar schöne Filme (danke noch mal, Mama und Papa!), aber für zwei ganze Tage Freizeit reicht das leider auch nicht richtig. Zumal ich ja nun auch nicht alles aufbrauchen will, ich habe immerhin noch 1 ½ Monate vor mir.
Ja, ich habe endlich „Bergfest“, wie mein Vater es immer nennt ^^ Ab jetzt kann ich rückwärts zählen. Das ist ein schönes Gefühl, weil ich immer noch sehr, sehr viel an zu Hause denke. Nächsten Sonntag zum Beispiel hat meine Tante Geburtstag und ich wäre so gerne dabei, weil zu solchen Gelegenheiten immer die ganze Familie zusammenkommt und ich das immer sehr genieße. Aber nun gut, man kann halt nicht immer alles im Leben haben Außerdem kann ich mich dann umso mehr freuen, wenn ich dann wieder da bin und endlich alle meine Lieben wieder um mich herum habe.

Jetzt will ich mal dazu übergehen, die FAQs zu beantworten; die „Frequently Asked Questions“, also die Fragen, die ich am öftesten gestellt kriege Nicht, dass es mich stört, dass ich das immer und immer wieder machen muss, aber es gibt euch vielleicht mal so einen generellen Zwischenstand.

1) Hast du dich schon ans Klima gewöhnt?
Ja, habe ich ^^ Schon nach den ersten paar Tagen habe ich mich akklimatisiert – das ging schneller als gedacht. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, permanent zu schwitzen, dann macht einem das irgendwann nichts mehr aus. Außerdem hält man sich sowieso meistens in klimatisierten Räumen auf (also mit Deckenventilatoren, die es hier überall gibt) und wenn dann nicht gerade mal wieder Stromausfall ist, dann ist das durchaus aushaltbar.

2) Hast du dich ans Essen gewöhnt? Schmeckt es?
Ja und ja. Leider, wie ihr ja wisst. Ich habe zu meinem Leidwesen zumindest optisch zugenommen (ja, lieber Männer, das geht auch!) und das ärgert mich. Aber ich wäre schön blöd, jetzt eine Diät anzufangen, wenn ich doch nur jetzt die Chance habe, indisches Essen nicht als Take-Away in Deutschland, sondern aus erster Hand zu bekommen. Und es ist wirklich lecker. Leider kann ich mir die Namen von den meisten Gerichten und Nahrungsmitteln nicht merken, aber ich kann ja mal erklären, wie so ein Gericht immer ungefähr aufgebaut ist, wenn ich bei den Wilsons esse. Also ich kriege Mittag- und Abendessen meist in zwei Varianten. Einmal ist da die häufigste Variante: Reis, Curry und Dal. Dal ist ein Hauptnahrungsmittel; wir würden es wohl als Soße aus Linsen bezeichnen (für die, die das genauer wissen wollen: Wikipedia). Curry ist kein Gewürz, wie wir es in Deutschland kennen, sondern eine Beilage, das man entweder mit dem Reis mixen kann – was man meistens auch macht – oder halt nebenbei isst. Curry kann also aus Gemüse oder Fleisch oder beidem bestehen. Ich mag das Fleisch hier nicht so gern, weil meistens Knochen(splitter) und Knorpel drin sind, von daher halte ich mich – sehr zu meiner eigenen Überraschung, da ich ja sonst kein gekochtes Gemüse esse – eher ans Gemüse, wenn es geht.
Die zweite Variante, die es auch ab und zu gibt und die ich sehr liebe, ist Chappati anstatt von Reis (wobei es das meistens noch als Alternative gibt&hellip und Curry. Am besten ist es, wenn es Chapatti mit Kartoffelcurry gibt – einfach einmalig und superlecker. Scharfes Essen macht mir mittlerweile nichts mehr aus, im Gegenteil, meistens bin ich eher enttäuscht, wenn mir hinterher nicht wenigstens ein bisschen der Mund brennt
In der Schule kriege ich zum Lunch sonst meistens Pappads – mein absolutes Lieblingsessen, weil das so eine Art große Chips sind – voll geil :D Dazu dann gestampfte Kartoffeln mit Pfeffer und Salz (Mmh..!), Reis mit Dal, Salat (also Gurken, Karotten und Zwiebeln nebeneinander auf einem Teller) und ab und zu auch Curry.
Ihr seht – särr lecker ^^

3) Wie gefällt es dir in Indien?
Gut Mir mangelt es hier an nichts, außer natürlich an Familie und gleichaltrigen Freunden. Aber für die 3 Monate ist das schon machbar. Alle Menschen hier sind sehr freundlich und aufgeschlossen, wenn ich sie erstmal kennenlerne. So lange ich meine paar Stunden am Tag habe, die ich für mich allein rummuckeln kann, habe ich kein Problem. Einige Sitten und Gebräuche sind mir fremd und bereiten mir manchmal Schwierigkeiten, dennoch ist das ja Sinn der Übung. Ich bin hier um zu wachsen und mich weiterzuentwickeln und wenn ich das sagen darf: Ich finde, ich habe bereits eine riesengroße Entwicklung gemacht. Ich habe hier in dieser kurzen Zeit schon so unglaublich viele Erfahrungen gemacht, die mich menschlich weitergebracht haben, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Manche davon sind nur für mich, manche habe ich bereits mit euch geteilt und andere kann ich vielleicht erst weitergeben, wenn ich wieder da bin. Aber im Großen und Ganzen weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war, hierher zu kommen – auch wenn, oder vor allem weil es nicht immer ganz einfach ist.

4) Wie ist das Wetter so?
Normalerweise so um die 72 – 78° Fahrenheit. Also so maximal um die 27° Celsius. Klingt nicht so schlimm, aber man muss die Luftfeuchtigkeit und den meist wolkenlosen Himmel mit einbeziehen.

5) Macht das Unterrichten Spaß?
Ja, meistens schon. Es ist anstrengend, aber auch sehr interessant und lehrreich. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich. Es ist komisch, so direkt nach meinem Schulabschluss auf der anderen Seite zu stehen und plötzlich mit all dem konfrontiert zu werden, was ich in der Schule immer nicht verstanden habe: Warum die Lehrer sich so aufregen, wenn man mal die Hausaufgaben nicht macht, warum es so stört, wenn nur einer redet und und und. Es kann frustrierend sein, wenn man das Gefühl hat, nicht ernst genommen oder respektiert zu werden, wenn das ganze Lehrpensum, das man sich für den Tag vorgenommen hat, über den Haufen geworfen wird, weil man feststellen muss, dass die Hälfte der Klasse die Hausaufgaben nicht gemacht oder absichtlich falsch verstanden hat. Es nervt, wenn man Ausreden gelten lassen muss, obwohl man merkt, dass sie glatt gelogen sind, man aber keinen Gegenbeweis hat. Und dann muss man hier bestrafen, wenn ein Kind sich widersetzt. Man muss es aufstehen lassen, sich manchmal sogar hinknien lassen (aua, Knie auf dem nackten Steinboden..) oder halt aus der Klasse schmeißen. Es ist nicht immer angenehm, aber meistens macht es Spaß – vor allem mit meiner Klasse, der 5.

6) Kann man dir was zum Geburtstag schicken?
Sehr süße Frage, über die ich mich immer wieder freue. Die Antwort ist leider eher nein. Die Post hier ist sehr unzuverlässig und ein Paket braucht mindestens (!) 4 Wochen, meistens sogar länger. Da ich schon in 2 Wochen offiziell alt bin, kann es also sein, dass das Paket vielleicht dann ankommt, wenn ich abreise oder sogar erst später. Aber, liebe Leute, ich werde meinen Geburtstag nachfeiern, zusammen mit meiner Rückkehr. Das lasse ich mir nicht nehmen, da freue ich mich ja schon seit meiner Ankunft hier drauf Jeder ist übrigens herzlich eingeladen, mich mit vom Flughafen abzuholen – nähere Daten und Uhrzeiten kommen dann, wenn es soweit ist.

So, ich schweife ab. Wenn noch mehr Fragen sind, immer gerne her damit. Jetzt noch zwei Videos und dann ist Schluss für heute
Lasst es euch gut gehen. Vergesst mich nicht!
Ihr fehlt mir alle sehr!
Bis bald, meine Besten!

Jana <3

 




21.10.09 14:48


Deutscher Besuch, Odissi & Diwali

Hey ihr Lieben!

Tut mir Leid, dass ich mich schon so lange nicht mehr gemeldet habe. Heute aber auch nur ein kurzer Eintrag, bitte fühlt euch nicht genötigt, einen Kommentar zu schreiben Ich will nur mal kurz erzählen, was mir in der letzten Zeit so widerfahren ist.
Ich habe mich mit unserer Tanzlehrerin ein bisschen angefreundet. Sie heißt Rina und ist wirklich eine ganz Süße Sie hat uns zu ihrer Tanzschule eingeladen - leider hatte ich meine Kamera nicht mit, ich hätte mich in den Arsch beißen können ^^' Aber wir fahren nächsten Sonntag nochmal hin und dann filme ich das für euch, das ist wirklich unglaublich. Sie hat eine Schülerin die gerade mal 5 (!) ist und jetzt schon tanzen kann wie ein Profi. Odissi (sprich: Orissi), ist ein Tanz, der ursprünglich in den Tempeln Orissas getanzt wurde, ist also der "Nationaltanz" von Orissa ... sozusagen. Ihr wisst, was ich meine. Und die Kleine ist so toll und macht das so super, das ist total süß.
Dann gab's da auch noch ein paar Jungs ungefähr in meinem Alter, auch total nett und interessiert. Sie haben Rina erstmal gefragt, ob ich ihnen vielleicht so als Europäerin einen Ratschlag geben könnte, weil sie kein Englisch sprachen, sondern nur verstehen konnten - das ist übrigens oft so, die Menschen sprechen kein Englisch, aber verstehen einigermaßen. Was mich immer so rührt, ist, wenn sie mich "Nani" nennen, also "Schwester"

Wie dem auch sei, danach waren wir mit Rina einkaufen und ich habe allerlei geschenkt gekriegt, das zeige ich dann nochmal bei Gelegenheit.

Gestern hatte ich deutschen Besuch, das war wirklich klasse. Ich war ganz aufgeregt, den ganzen Tag über konnte ich eigentlich an nichts anderes denken. Als sie dann angekommen sind, war ich ganz happy, dass ich mich wieder auf Deutsch unterhalten konnte und musste mich wirklich arg bremsen, nicht zu sehr mit meiner Vertrautheit und meinem (nun ja noch nicht allzu großen) Wissen über Indien anzugeben; ich weiß, ich mag das selbst nicht, wenn Leute sich so aufspielen. Aber das war einfach das Bedürfnis, zu zeigen, wo ich hier lebe, wie ich hier lebe und so - obwohl sie ja nun nicht hauptsächlich für mich gekommen sind Aber als wir dann in der Schule waren und sie mir immer die Fragen gestellt haben war ich wirklich stolz.. ^^

Jaa .. und morgen ist Diwali, das berühmte Lichterfest. Die Inder fangen jetzt schon an, Feuerwerk abzufeuern, obwohl es offiziell verboten ist, sie in den Läden zu verkaufen. Selbst die Kinder in der Schule werden angehalten, kein Feuerwerk zu kaufen. Die Regierung will einfach auf Nummer sicher gehen, was auch so Terroranschläge und so angeht. Bevor jetzt bei euch die pure Panik ausbricht: Keine Angst! ^^ Ich bin im Gästehaus und bei den Wilsons sicher, ich gehe nur sicherlich auf die Straße. Jeder von euch, der mich gut genug kennt, weiß, dass ich Feuerwerk hasse und mich am liebsten immer unterm Bett verkriechen würde, wenn das Jahr sich dem Ende neigt. Aber ich kriege das schon in, macht euch mal keine Sorgen.

Das war's erstmal so weit, Fotos kommen bald wieder.
Lasst es euch gut gehen und bis bald!
Jana <3
16.10.09 14:52


Sport und die dritte Klasse

Hallo ihr Lieben!

Jetzt, da ich mich wieder eingekriegt habe, kann ich auch wieder einen Blogeintrag verfassen; dieses Mal auch etwas ausführlicher.
Wie ich ja erwähnt hatte, hatte ganz Nowrangpur die letzten Tage über kein Internet. Das war ärgerlich, aber nun auch kein Weltuntergang für mich. Ich habe ja alle Hände voll zu tun, jetzt wo die Schule wieder voll im Gange ist. Ich bin wieder in meiner täglichen Routine, die mir aber gut tut, wie ich festgestellt habe. Ich kann euch ja mal so ungefähr einen Überblick geben, wie ein normaler Schultag so ungefähr für mich aussieht.

5:30 – Erstes Weckerklingeln
5:45 – Zweites Weckerklingeln
6:00 – Letztes Weckerklingeln, aufstehen und duschen gehen
6:15 – Schnell anziehen, zurück ins Bett (Sachen sind ja am Vortag schon gepackt worden)
6:50 – Nochmal Weckerklingeln, Frühstück, bzw. zum Esszimmer gehen und dort auf die Küchenlady warten
7:15 – Wenn ich um diese Uhrzeit fertig gefrühstückt habe, hab’ ich Glück gehabt, also zurück ins Zimmer und Zähne putzen und Tasche holen
7:30 – Lehrerandacht in der Schule
8:00 – Morgenversammlung
8:15 – Unterrichtsbeginn
10:20 – Mid-Lunch
13:30 – Schulschluss
14:00 – Lunch
14:15 – Zurück ins
16:30 – Aufstehen, zurück zur Schule und mit Begleitung zu den Wilsons

Und dort bleibe ich dann immer so ungefähr bis 21.00 Uhr, dann bringt mich Wilson David mit einer seiner Töchter nach Hause und je nachdem wie müde ich bin (also meistens sofort) gehe ich dann nachdem ich den Unterricht kurz vorbereitet und meine Tasche gepackt habe, ins Bett oder mache noch ein paar Sachen am Laptop. So wie heute (für euch: gestern).
Heute wäre eigentlich Second Saturday gewesen, d.h. die Eltern wären in die Schule gekommen und die Lehrer hätten mit ihnen über die Leistungen der Kinder gesprochen, also so etwas wie Elternsprechtag. Aber stattdessen war Sport’s Day, es wurden Wettrennen veranstaltet und Reise nach Jerusalem (hier: Musical Chairs) gespielt. Die Kinder fanden das großartig, hier gibt es offenbar keine Sportmuffel. Seht ihr nachher noch mal auf den Fotos, die ich hochgeladen habe. Mir geht langsam übrigens echt der Platz aus! Bitte Vorschläge für Ausweichmöglichkeiten!! Aber zurück zum Sport’s Day. Es war wirklich heiß heute und ich bin erstmal in voller Montur da angetanzt, weil die Wilsons meinten, ich sollte langärmlig und Sportschuhe tragen. Ich also im langärmligen Shirt und Socken mit Chucks angekommen und habe geschwitzt wie sonst was. Alle haben mich gefragt, ob mir kalt ist – was angesichts der Temperaturen irgendwie überflüssig war. Als die anderen Lehrer dann zur Registration (Unterschrift leisten, dass man da ist) gegangen sind, habe ich schnell Schuhe gewechselt, zum Glück habe ich das vorausgesehen. Das Shirt habe ich allerdings trotzdem angelassen und meine Cap aufgesetzt – denn wir standen wirklich ca. eine Stunde in der prallen Sonne rum und eine meiner Schülerinnen, Stutee (sprich: Stuttie), ist sogar ohnmächtig geworden. Das ist hier offenbar nichts ungewöhnliches, das ständig irgendwer in Ohnmacht fällt. Mich persönlich wundert das auch nicht, wenn man Kinder mit schwarzen Haaren in der prallen Sonne stehen lässt, dann ist das nur eine Frage der Zeit, bis sie reihenweise umkippen. Ich finde das persönlich ein bisschen unverantwortlich und ich frage mich, warum sie das machen, aber ich bin immerhin nur die Freiwillige.
Naja, ansonsten habe ich festgestellt, dass zwei Kinder aus der dritten Klasse wirklich tolle Sportler sind. Nancy und Robin, zwei der Kinder, die mich im Unterricht immer am allermeisten nerven, sind beide in ihrer Gruppe Erste geworden beim Wettrennen. Das fand ich schon toll und ich habe auch gratuliert, da waren sie richtig stolz. Konnten sie auch sein, vor allem Robin, der ist abgegangen wie eine Kanone … Er hat eine Hörschwäche und versteht kaum, was man ihm sagt, wenn man ihn nicht anschreit, aber als ob er das kompensieren würde, ist er im Laufen dafür große Klasse. Ich war ganz begeistert davon und habe dann plötzlich verstanden, warum alle Jungs in seiner Gruppe sich beschwert haben, dass sie gegen ihn laufen müssen. Hinterher haben die Kinder mir erzählt, dass sogar die Jungs aus der sechsten Klasse keine Chance gegen ihn haben. Coole Sache!
Danach war ich aber auch echt kaputt, mir sind beim Lunch in der Schule fast die Augen zugefallen. Zum Glück war das Ganze schon so gegen halb zwölf vorbei und ich war um eins dann auch zu Hause und im Bett – ich habe 3 Stunden am Stück tief und fest geschlafen. Das war vielleicht schön!

Was die dritte Klasse angeht, da haben sich übrigens Neuigkeiten ergeben. Ich habe letztens mit Sarah darüber gesprochen und sie hat mir ein paar Tipps gegeben, was ich so machen kann und auch soll, wenn sie mich nicht ernst nehmen und/oder die Hausaufgaben nicht machen. Als hätte jemand dort oben entschieden, dass ich das doch gleich mal in die Tat umsetzen soll, hatte prompt am nächsten Tag niemand die Hausaufgaben gemacht – weder in Literature noch in Language. In Literature habe ich dann zwar geschimpft, aber dann noch mal ein Auge zugedrückt. Als in Language dann das gleiche Theater gleich noch mal passierte, wurde ich echt sauer. Ich wusste echt nicht mehr, was ich noch machen sollte, denn sie standen schon alle – was man hier machen muss, wenn man die Hausaufgaben nicht hat. Ich war echt den Tränen nahe, nicht, weil ich von mir enttäuscht war oder so, ich habe wirklich alles versucht, von nett sein, über ausschimpfen bis hin zu aufstehen lassen und weitere Strafen androhen. Die fünfte Klasse saß dabei und die haben mir wohl angesehen, dass ich kurz vor der endgültigen Verzweiflung war (kurz zur Erklärung: In letzter Zeit werden häufiger Klassen zusammengelegt, da wir immer noch unter akutem Lehrermangel leiden. An dieser Stelle: Hat nicht jemand Lust als Freiwillige(r) in Indien an der Theodore Public School zu unterrichten?). Jerusha meinte, ich soll sie sich hinknien lassen, weil sie sonst denken, dass ich nur Witze und leere Drohungen mache. Das konnte ich irgendwie nicht, so sauer und verzweifelt ich auch war, also habe ich Sarah geholt. Ich glaube, alle kleinen Kinder auf dieser Welt haben irgendwie Angst vor Schuldirektoren und vor Sarah hätte ich glaube ich auch so noch Angst, wenn sie meine Lehrerin wäre. Na ja, es endete dann so, dass die Kinder ordentlich ausgeschimpft worden sind (Sarah hat gedroht, Sunitha als Englischlehrerin einzusetzen, was irgendwie keiner wollte..), sich letztendlich doch hinknien mussten (ist unbequem auf dem Steinboden, glaubt mir) und das Gedicht, was sie als Hausaufgabe lernen sollten, noch mal lernen mussten.
Wer jetzt glaubt, dass jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen war – ähm, nein. Ich hatte echt gedacht, nach dem Theater hätten sie begriffen, dass ich auch anders kann. War aber offenbar nicht der Fall, denn danach kam der nächste Mist. Ich hatte Literature mit ihnen und sie hatten zum Glück alle das Gedicht gelernt. Aber den Rest der Hausaufgaben, nämlich Antworten in Notizen vorzubereiten, das hatten 5 der 8 Kinder nicht gemacht, bzw. ihr Heft nicht mitgebracht. Das war mir dann echt zu blöd, ich hatte auf gut Deutsch gesagt die Schnauze voll und ich habe sie rausgeschmissen. Warum soll ich mich weiter in meinem Lehrplan aufhalten lassen, von Schülern, die offenbar eh nicht an meinem Unterricht interessiert sind. Sie haben das zu erst gar nicht glauben können und sich kein Stück bewegt, aber als ich dann meinte, dass ich bis drei zähle und dann, wenn sie nicht draußen sind, wieder zur Schulleitung gehe, da sind sie dann gegangen. Ein winzig kleines bisschen tat mir das Leid, weil einige von den Schülern echt lieb und eigentlich auch gut sind und zufällig ihre Sachen vergessen hatten – aber ich kann ja schlecht Ausnahmen machen. Blöd war auch, dass Hannah dabei war, die echt traurig ausgesehen hat, aber leider auch immer zu den vergesslichen Kandidaten gehört. Zum Glück hat sie mir das nicht übel genommen, das war so ein bisschen meine Sorge. Aber in dem Alter ist man glaube ich noch nicht so nachtragend. Sarah kam dann irgendwann rüber als ich mit drei Schülerinnen den Unterricht weitergemacht habe und meinte, ich sollte nur die bestrafen, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, der Rest, der schlecht gelernt hatte, dürfte in der Klasse stehen. Als ich ihr dann erklärt habe, dass diese Kinder ihre Notizen nicht hatten, da war sie ganz erstaunt und hat mir zum Glück Recht gegeben (ich dachte erst, jetzt habe ich wieder irgendwas falsch gemacht&hellip und noch mal mit den Kindern geschimpft. Was überflüssig war, sie waren sowieso schon total geschockt von meiner Reaktion.
Ich hoffe wirklich, dass sie jetzt begriffen haben, dass ich nur so nett und freundlich bleibe, solange sie mich auch wirklich respektieren und damit rechnen, dass ich auch anders reagieren kann. Aber auch ich habe daraus gelernt: Ich habe allen anderen Klassen auch erklärt, dass, wenn sie ihre Hausaufgaben nicht machen und mich nicht respektieren und ernst nehmen, ich leider nicht so nett und freundlich bleiben kann, wie ich es jetzt im Moment bin. Jetzt sind sie also schon mal vorgewarnt. Ich hoffe, ich muss nie wieder jemanden rausschmeißen.

So, trotz der 3 Stunden Schlaf gehe ich jetzt langsam mal ins Bett. Ich bin schon wieder müde, ist das zu glauben?

Die Fotos findet ihr dann im Anschluss. Bis bald, ihr Lieben!

Jana <3


So sehen normale Henna-Tattoos in ihrer ursprünglichen Form aus – wenn man so will, die Basic-Version ohne Ad-Ons


Ich dachte, ich zeige euch mal meinen Arbeitsplatz ^^


So etwas kriegt man nur in Indien. Und das jeden Abend


Ein paar meiner Schülerinnen


Sunitha erklärt.


Manchmal bringen Schüler ihren Lehrern vom Schulweg Blumen mit. Heute (also gestern) habe ich auch welche gekriegt :D


Da wurde eine Art Pavillion aufgespannt, damit Musical Chairs nicht in der prallen Sonne gespielt werden musste.


Hier wieder das die Schule umgebende Areal saubergemacht. Ohne jede Beschwerde, die Kinder machen das einfach..


Pryanka aus der 6. vertreibt ein paar Kühe von der Wettlaufbahn.


UKG und LKG (Upper Kindergarden und Lower Kindergarden) mit Lehrerin, deren Namen ich gerade nicht im Kopf habe .. also den Namen schon, aber die Schreibweise nicht.


Sarah in Action.


Die Mädels der Klassen 3 – 6 beim Start des Wettrennens. Was man nicht sieht: Alle haben ein Lächeln im Gesicht, die freuen sich total darüber, dass die Laufen dürfen.


Die Jungen aus der 3. Klasse, allen voran natürlich Robin ^^ Übrigens, der kleine Junge im roten T-Shirt und der grauen Hose dahinter ist Jyoshwin, den ich total süß finde. Ganz niedlicher kleiner Fratz ^^


Total ekliges Zeug... Ich weiß nicht, was das ist und wie man “Pickle” übersetzt. Es sieht aus wie Marmelade und das ist sehr gefährlich, wenn man nicht weiß, wie das schmeckt. Ich dachte, das wäre irgendwas anderes, weil es so ähnlich aussah wie etwas, das ich mag (ich bin so schlecht mir Namen von Essenssachen zu merken, tut mir Leid!) und habe es probiert. Schmeckte irgendwie nach Salbe oder so etwas. Nicht gut.


Ganz rechts die beiden Großen, das sind zwei aus der 6. Klasse, Vijay und Ashutosh. Mama, der linke, der so schlaksig ist, Vijay, von dem hatte ich dir erzählt, erinnerst du dich?


Hannah, Shaily (aus meiner 5.) und Supriya (auch aus meiner 5.)


Musical Chairs für den Kindergarten ^^


Total süß: Seit ich meinen Laptop manchmal mitbringe, schwärmen die Kinder davon. Hannah hat sich dann ihren eigenen gebastelt :D
11.10.09 17:54


Endlich wieder Interntt

Hey ihr.

Nur ganz kurz, ich bin naemlich gerade ziemlich sauer. Ich hatte eben einen echt langen Eintrag geschrieben, sogar mit Fotos und dann ist der Internetbrowser abgestuerzt. Natuerlich hatte ich einmal nicht zwischengespeichert.. Jetzt habe ich keine Lust mehr, den Eintrag nochmal zu schreiben, das mache ich dann morgen.
Aber eines muss ich trotzdem noch loswerden: Ich war etwas enttaeuscht, als ich heute das erste Mal seit Tagen wieder online gekommen bin und meinen Blog im alten Zustand vorgefunden habe.. Und das, obwohl ich Videos und Fotos hochgeladen habe Langweile ich euch schon? Nein, mal Scherz beiseite, natuerlich muesst ihr mir nicht taeglich schreiben, aber ich freue mich immer wirklich sehr ueber Kommentare, nicht, weil ich hoeren will, wie toll ich oder die Fotos sind, sondern einfach, weil es gut tut, aus der Heimat zu hoeren. Einfach zu spueren, dass ich noch irgendwie dazugehoere, obwohl ich so weit weg bin.
Aber ansonten ist hier soweit alles klar. Ich berichte bald mehr. Tut mir Leid, dass ich mich halt so spaet erst wieder melde - wie gesagt, das Internet war weg, ganz Nowrangpur hatte keine Internetverbindung fuer ein paar Tage.

Bis bald, meine Besten!

Jana <3

 PS: Alles Liebe zum Geburtstag, Teresa! Feier schoen und geniess deinen Tag! Ich denk an dich, Suesse

10.10.09 16:00


Ein paar Videos und Fotos

Heute mal nur ein paar Videos und Fotos

Ich habe den Kindern "Wer hat die Kekse aus der Dose geklaut?" auf Deutsch beigebracht ^^ Finden sie super! Ich bin nur so zu einem Viertel drauf, weil ich die Kinder draufhaben wollte. Falls ihr euch über unsere eingematschten Hände wundert: Das sind Henna-Kräuter, ist gut gegen Pilze und andere Hautinfektionen an den Händen und wird hier auch als hübsch angesehen. Es ist kein schönes Muster wie auf meiner rechten, aber das seht ihr dann nochmal auf den Fotos


Bitte keinen Anfall kriegen, Mama. Ich habe mich auch nicht übers Geländer gelehnt Das war wirklich särr hoch, 3700m über dem Meerespiegel waren wir dort. Die Landschaft war echt fantastisch!


Auch ich darf mal ein bisschen albern sein und Entdecker mit Elzi spielen..

 

Fotos


Die Wilsons sind leider nicht die besten Fotografen, aber die Besten sind dann doch präsentabel. Das ist in der Borra-Höhle, anders als in Deutschland darf man fast überall rumklettern und alles anfassen. Coole Sache ^^


Von links nach rechts: Ein Guide, der uns von der befreundeten Kirche an die Seite gestellt wurde, Wilson David, Elzi, Jerusha, Hannah, ich und unser Fahrer.


So sieht das aus, wenn man mal ein paar Anhalter mitnimmt..


Für den Fahrer wird dann großzügigerweise doch ein bisschen Platz zum Gucken gelassen.


Das war so eines der Fotos, wo ich mich nicht so richtig wohl mit gefühlt habe. Absolut gestellt, um ehrlich zu sein - aber trotzdem interessant. Die Frau bearbeitet Bambussprossen, die man essen kann. Sie mahlt sie, stampft sie, etc.


Guck mal, Mama - in Indien haben die Kinder auch Nasenpiercings - auf beiden Seiten! Und ich musste warten, bis ich 18 war..


Stammesangehörige. Ich stand da bestimmt 10 Minuten und "musste" mich von allen Seiten ablichten lassen.. ^^' Ist wirklich schön, auch mal auf Fotos drauf zu sein, nur halt das Gefühl, Armutstourist zu sein, wird man nie so richtig los.


So sehen die Dörfer dort ungefähr aus.


So, das war's so weit. Gut, dass ich heute am Laptop sitze - hier ist gerade mal wieder der Strom abgesoffen und mein gesamter Eintrag wäre jetzt weg, wenn ich nicht meinen Akku aufgeladen hätte. ^^

So, der nächste Eintrag kommt bestimmt!
Bis bald, meine Besten!

Jana <3

6.10.09 15:09


Reisen

Hey meine Besten!

Tut mir Leid, dass ich so lange gebraucht habe, um jetzt erst zu schreiben. Des weiteren bitte ich um Entschuldigung, wenn sich anstatt eines „y“s ein „z“ einschleicht – ich beginne, mich auf die englische Tastatur einzustellen, also wundert euch nicht, wenn ihr z.B. „jetyt“ anstatt von „jetzt“ lest. Dann entschuldige ich mich auch schon mal im Voraus für viele Bandwurmsätze und Klammern – ich hoffe, es wird nicht zu unübersichtlich
Der Grund, weswegen ich so lange nicht geschrieben habe, ist dass ich nicht in Orissa war. Die Wilsons sind mit mir nach Andrha Pradesh gefahren um dort Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. War wirklich interessant, aber auch sehr anstrengend und seltener sogar nicht so schön. Warum, werde ich jetzt im folgenden Eintrag versuchen zu erläutern.
Es begann erstmal damit, dass ich von der Nacht vom 29. auf den 30. bei den Wilsons übernachtet habe. Die Wilsons hatten ein Auto + Fahrer gemietet (das gibt es hier immer im Doppelpack) und damit sie nicht noch extra zu mir gurken mussten – da sie planten, morgens um 4 Uhr aufzubrechen – wurde kurzerhand beschlossen, dass ich dort schlafen würde. Das war für mich okay. Nur mit der Zeitangabe von 4 Uhr war ich mir nicht sicher. Als Deutsche weiß ich nie: Wann meinen sie jetzt wirklich 4 Uhr? Und wann meinen sie: Wir sagen mal 4 Uhr, fahren aber in Wirklichkeit eine Stunde später?
Na ja, in meinem Fall war es Letzteres. Ich, die brave Deutsche die ich doch bin, bin um viertel nach 3 aufgestanden und habe mich innerhalb von 20 Minuten fertig gemacht – nur um dann herauszufinden, dass ich um kurz vor fünf immer noch gelangweilt und ohne Frühstück rumsaß und wartete, dass alle gebadet hatten und angezogen waren. Und gepackt hatten.. Ja, so organisiert war das. Um 5 Uhr sind wir dann also endlich los, ich hatte mich schon gefreut, dass ich etwas schlafen konnte – mir wurde immerhin gesagt, dass die Reise den halben Tag dauern würde. Das Erste, was dann zum Problem wurde, war der fehlende Gurt. Also, ein Anschnallgurt war eigentlich schon vorhanden, nur nichts zum Festschnallen. Das ist nichts Ungewöhnliches in Indien. Allerdings ist es a) unsicher, da ihr ja schon gesehen habt, wie die Inder so fahren und b) auch sehr, sehr unpraktisch, wenn man versuchen will zu schlafen ohne sich dabei eine Platzwunde an der Stirn zu holen, wenn man mit dem Kopf nicht gegen das Amaturenbrett knallen will. Denn die Straßenverhältnisse kann man sich nicht vorstellen; selbst im abgefederten Jeep, in dem wir ja fuhren, war es unmöglich, nicht jedes Mal (also alle 1 ½ Sekunden, ungelogen!) ein bis zwei Zentimeter vom Sitz abzuheben, wenn die Straßen wirklich sehr schlecht sind. Also war blöd, schlafen konnte ich irgendwie nicht.. Was sich nach 4 Stunden dann doch bemerkbar macht, wenn man aus dem Auto steigt (richtig, für die die aufgepasst haben: Ein halber Tag = 12 Stunden. Unsere Fahrt = 4 Stunden ≠ 4 Stunden). Ich kann mir jetzt ungefähr vorstellen, wie es sich anfühlt, einen 2-stündigen Ausritt zu machen, Anna.. Danach tut einem der Hintern weh, das glaubt man nicht. Denn dem kam diese Fahrt sicherlich sehr nahe, auch wenn ich noch nie geritten bin.
Wir sind dann also in der Kirche angekommen, wo Freunde der Wilsons wohnten und wir im Gästehaus bleiben würden. Das kann man sich so vorstellen, dass man das Gebäude betritt (natürlich wie immer: ohne Schuhe) und ein großer Raum mit Steinboden vor einem liegt, mit einer kleinen Erhöhung am Ende des Raumes, so etwas wie eine kleine Bühne (für alle Marienthalter: Ungefähr so wie unser alter Musikraum – wisst ihr noch?). Die Wände waren alle mit Psalmen und Bibelsprüchen in Telugu (Sprache in Andhra Pradeseh) und Englisch beschrieben. Ganz am Ende, neben der Erhöhung war eine Tür, dort ging es zum kleinen Gästezimmer (das noch kleiner war als mein jetziges Zimmer) in dem ein Bett und ein Tisch mit ein paar Stühlen stand. Sonst nicht. Ein Bad war mit inbegriffen, wie ein kleiner Bunker im Zimmer. Ich würde als Gast natürlich im Bett schlafen, die Kinder und die Wilsons auf dem Boden auf Strohmatten.
Das finde ich übrigens auch furchtbar – das macht Jerusha immer im Kinderzimmer, wenn ich bei den Wilsons bin und Mittagsschlaf mache (ja, lacht ruhig :P). Also auf einer Strohmatte auf dem Steinboden schlafen. Das ist wohl normal und man macht das immer auf Reisen, wenn kein Bett da ist – oder man generell nicht genug Geld hat um sich ein richtiges Bett oder halt mehrere zu leisten (was hier nicht selten der Fall ist).

Gut, nach dem Mittagessen sind wir dann in ein Tribal Museum gefahren. Das war schon cool, dort konnte man sich so angucken, wie die „Eingeborenen“-Stämme so leben. Also so Tonfiguren in Lebensgröße, die die Dorfbewohner gezeigt haben und sie dann halt in Alltagssituationen. In ihren Hütten, auf dem Markt, mit ihren Kochutensilien und und und. Särr interessant, muss man schon sagen. Leider durfte man dort nicht fotografieren, wie so oft in Museen – aber was soll man machen?
Danach ging es dann weiter nach Aruku Valley. Das war echt toll – das ist ein Touristenort, wo man die Borra Caves (cave = Höhle) besichtigen kann. Überhaupt, schon beim Museum merkte man, dass hauptsächlich Touristen dort waren, denn ich wurde doch schon merklich weniger angestarrt als sonst. Die Leute, die aus den Städten kommen, haben eben doch schon mal weiße Menschen gesehen und müssen mich nicht unbedingt von oben bis unten genauestens betrachten.
Allerdings – und jetzt kommt der Knüller – wurde ich in Aruku Valley vor dem Einlass zu den Höhlen dann plötzlich angesprochen. Ein Mann kam auf mich zugeeilt: „Excuse me, excuse me, can I take a picture with you?“. Ich wusste ja schon immer, dass ich Modelqualitäten habe. Nicht Scherz beiseite, das war echt strange, aber ich habe mich auf gut Altdeutsch gesagt nicht lumpen lassen und hab ja gesagt. Bringt mich ja nun auch nicht um, dem guten Mann eine Freude zu bereiten.
Freude hatte auch Hannah, die jüngste der Wilson-Töchter, denn vor den Höhlen gab es ihre Lieblingstiere hautnah zu sehen. Affen. Das ist auch echt komisch, wenn man die sonst nur aus Zoos kennt und Geländer sowie Wassergraben dazwischen hat. Aber die waren putzig und sind mir zum Glück nicht zu nahe gekommen (die Flöhe, die Flöhe!). Ich hatte auch Angst, dass die mir nachher was klauen, man hört ja immer so Geschichten

Die Höhle war total beeindrucken, extrem riesig und man konnte total tief reingehen. Seht ihr dann auch noch mal (irgendwann?) auf den Fotos. Die Mädchen hatten ein bisschen Angst, vor allem Elzi, der es auch generell nicht so gut ging. Aber ich habe viele schöne Fotos gemacht und es war echt cool, das mal so zu sehen.

Als wir dann abends spät zurück waren, sind Sarah und David zum Gottesdienst gegangen und die Mädchen und ich sind im Gästezimmer (also praktisch nebenan) geblieben und haben gewartet, bis sie zurückkommen würden, um Abendessen zu haben. Tja, der Gottesdienst dauerte über 1 ½ Stunden und die Mädchen waren eingeschlafen, bevor ihre Eltern zurück waren. Jerusha war die einzige, die wachzukriegen war, um Abendbrot zu essen.

Am nächsten Tag war Elzi krank. Was mir total Leid tat, denn sie hatte Fieber gekriegt und sich übergab sich die ganze Zeit. Ätzend und das auch noch auf einer Reise – ich hatte so Mitleid mit ihr! Wir sind trotzdem nach Lamptaput zu einem befreundeten Arzt gefahren und haben dort Mittag gegessen. Der besagte Arzt kam danach dann mit uns, als wir in ein Dorf gefahren sind, Hanumal, in dem die Gadaba leben. Das ist einer dieser Stämme, die im Museum dargestellt wurden und das war echt interessant, das mal hautnah zu sehen. Die Frauen alle mit diversen Nasenringen, die Männer absolut spärlich bekleidet und alles absolut fern von jeglicher westlichen Moderne. Kein Strom, fließend Wasser oder sonstiger „Luxus“. Feuerstellen, Lehmhütten mit Strohdach und und und. Die Menschen dort waren sehr zurückhaltend, aber auch sehr freundlich und haben sich fotografieren lassen – auf Davids Drängen hin auch mit mir. Nicht, dass die Menschen dazu gedrängt werden mussten. Sondern ich.
Jeder von euch, der mich auch nur ein bisschen kennt, wird wissen, wie ich mich bei so was fühle. Es war ehrlich total interessant: Aber ich habe mich trotzdem unwohl und irgendwie schlecht dabei gefühlt. Ich komme mir einfach jedes Mal unweigerlich wie ein Armuts-Tourist vor und das ist ein total blödes Gefühl. Weil diese Menschen genauso Stolz und Würde haben wie wir, sogar noch viel ausgeprägter in den meisten Fällen – und ich hasse dieses Gefühl, da als Weiße reinzumarschieren, sie zu begaffen und Fotos zu schießen – auch, wenn sie offenbar nichts dagegen haben. Ich mag es ja auch nicht angestarrt zu werden, als wäre ich ein Alien – daher habe ich immer Hemmungen, zu viel zu fotografieren und meistens dann auch möglichst so, dass sie entweder nicht allzu viel davon mitkriegen, also ohne Blitz und wenn sie nicht schauen oder halt, wenn ich vorher gefragt habe und auch das Gefühl habe, es ist okay für sie.

Das meinte ich halt vorhin, dass es halt nicht immer so schön war. Interessant – ja, keine Frage! Aber schwierig mit meinem Gewissen zu vereinbaren, wobei ich ja nun nichts Verbotenes tue. Aber es kommt mir wie gesagt einfach irgendwie verwerflich vor, zumindest empfinde ich es so. Und ich möchte nicht, dass diese Menschen einen falschen Eindruck von uns Weißen bekommen.

Auf der Rückfahrt nach Nowrangpur lag Elzi total flach – über die Reihe hinter mir auf dem Schoß ihrer Eltern ausgestreckt. Das war auch der Grund, weswegen Jerusha vorne bei mir saß – was die Sache nicht bequemer gemacht hat. Jetzt saßen wir zu dritt vorn und Jerusha hatte sehr dreckige Füße … nicht, dass ich hier in Indien schon etwas unempfindlicher gegen Dreck und so geworden bin, daran muss man sich gewöhnen. Aber ich hatte seit ein paar Tagen nicht mehr geduscht, mich seit über 24 Stunden nicht mehr waschen können (ich weiß, unschön! Zum Glück habe ich 2 Ersatzzahnbürsten mit..), hatte Schimmel auf meiner Zahnbürste gefunden und war einfach nur abgenervt und wahnsinnig müde. Die Tatsache, dass Jerusha mit ihren Schuhen ständig an meine nackten Füße kam, machte es nicht besser – ich hatte einfach keine Lust, noch dreckiger und nasser zu werden (in Andhra Pradesh hat es durchgehend nur geregnet). Dann wurde mir eröffnet, dass ich noch eine Nacht bei den Wilsons schlafen würde – und ich war fertig mit den Nerven. Zum Glück war es dunkel und ich in Mamas großes Tuch eingehüllt (also auch Kopf bedeckt und so), sodass ich den Tränen wenigstens ein bisschen freien Lauf lassen konnte, ohne dass jemand großartig was merken würde. Wie gesagt – ich war kaputt und müde und wollte einfach nur „nach Hause“ und meine Ruhe haben. Die meisten von euch wissen, dass ich ab und zu einfach Zeit für mich brauche, um sozialverträglich zu bleiben und in diesem Fall war das echt grenzwertig. Irrational, klar, aber ich kann es halt nicht ändern. Das klingt sicherlich banal, aber glaubt mir, man will irgendwann auch einfach mal für sich sein. Denn wenn ich eines festgestellt habe in Indien, dann, dass folgender Satz das Land ziemlich gut beschreibt:
In Indien ist man nie allein.

Das hat seine positiven, aber auch seine negativen Seiten, wie man unschwer feststellen kann.

War dann aber alles halb so schlimm, ich habe dort geschlafen, ein supertolles und absolut ungesundes Frühstück gekriegt – so eine Art Kuchen und Kekse … - und dann später mit meinen Eltern telefonieren können.

Bitte versteht mich nicht falsch oder denkt, ich wäre undankbar. Ich finde es toll, in den Wilsons so etwas wie eine Gastfamilie gefunden zu haben und während der Schulzeit ist es auch klasse, Zeit dort nach dem Unterricht zu verbringen. Es ist nur manchmal einfach anstrengend für mich, permanent unter Leuten zu sein, wenn ich mal einfach nur meine Ruhe haben und machen möchte, was ich will. Es ist nicht so, dass ich dort bestimmte Sachen nicht darf, um Gottes willen nicht. Aber hier im Gästehaus ist es halt egal, wann ich was tue – da kann ich schlafen, essen und am Laptop sitzen wann ich es möchte und nicht, wann ich es für höflich halte zu fragen.

Natürlich gibt es auch immer schöne Momente. Heute zum Beispiel, ist während meines Telefonats mit meinem Vater der Strom ausgefallen. Das war natürlich nicht schön, aber ich bin dann ins Wohn-/Esszimmer gegangen und habe mich dort mit dem Wilsons um die Lampe versammelt, die dann angemacht wird, weil ja sonst kein Licht mehr da ist. Das war nett, nachdem ich die Wuttränen über das unterbrochene Telefonat runtergeschluckt hatte und wir haben uns unterhalten. David hat mich dann erstmal über einige Sachen wie Freiheitskämpfer und Rebellen in Indien aufgeklärt, die u.a. auch in der Region vorzufinden sind, in der wir das Dorf besucht haben – weil Jerusha auf der Rückfahrt von dort im Dunkeln Angst gekriegt hat und zu weinen begann. Das hat mich im Auto sehr verwirrt, weil sie auch nicht sagen wollte, was los war – sie hatte Angst, ihr Vater würde mit ihr schimpfen, weil sie mir nicht erzählen sollte, dass diese Rebellen schon Menschen umgebracht haben.

Ich erkläre das kurz: Diese Menschen, bzw. Rebellen, deren Bezeichnung ich natürlich schon längst wieder vergessen habe (tut mir Leid!), haben mich so ein bisschen von den Erzählungen her an die erste Generation der RAF erinnert. Sie kämpfen gegen die Regierung (jetzt nicht die RAF, die indischen Rebellen) und sind so was wie die indischen Robin Hoods – Nehmen von den Reichen und Geben den Armen. Manchmal werden auch reiche Menschen oder Polizisten umgebracht – aber nie ohne Vorwarnungen, hat David mir erklärt. Nie ohne dass sie es vorher nicht ankündigen. Und wir hatten nun jemanden dabei, der diese Menschen aus der Region dort kannte, der uns also beschützen konnte. Hier geht alles über Connections, wenn du eine Person bei dir hast, die solchen Menschen vertrauenswürdig erscheint, bist du sicher. Und das war bei uns der Fall, der Arzt, der bei uns war, kannte diese Menschen und es wäre uns nichts passiert. Jerusha wusste das nicht und nachdem das erzählt wurde (auf Oriya, ich hatte also nicht verstanden – und auch, als ich fragte, wurde mir gesagt, man erkläre mir das später), dachte sie wir würden in den Wäldern umgebracht … ^^’ Armes Mädchen.
Worauf ich eigentlich hinauswollte, von wegen schöne Momente: Als wir da saßen und so über diese Geschichten sprachen, kam Hannah dazu, die als einzige geschlafen hatte. Ihre Eltern wollten natürlich nicht, dass sie auch Angst kriegen würde und als sie fragte, meinten sie nur „You don’t have to know everything!“. Und Hannah wurde ganz quakig und hat die ganze Zeit weiter gefragt: „Whaaaat?“ Und als ihr immer noch niemand antworten wollte, marschierte sie schnaubend wieder in ihr Zimmer – und ich meine wirklich, marschieren! Also so richtig mit Stampfen, Arme hoch und Knie bis zum Bauch hochziehen ^^ Da musste ich einfach total lachen, weil das so süß war und ich das einfach nie vergessen werde, wenn ich an Hannah denken werde. Das habe ich den anderen dann gesagt, weil ich ja mein Lachen erklären musste. Alle haben mit mir gelacht und Sarah meinte, dass Hannah das halt doof findet, dass ihr immer nichts erklärt wird, weil sie die Kleinste ist. Da meinte ich nur, dass ich das gut verstehen kann und dass ich auch sehr oft nicht von meinen Freunden ernst genommen werde (ja Jungs, ihr seid gemeint! ;P), da ich so klein bin Da musste Hannah auch lachen ^^

So, jetzt bin ich also wieder im Gästehaus und werde jetzt gleich schlafen gehen. Meine Finger tun schon weh… Außerdem habe ich mir aufder zugigen Fahrt eine leichter Erkältung eingefangen, ist aber echt nur halb so wild. Ich hoffe, dass ich bald Fotos hochladen kann; meine Speicherkapazität hier bei Myblog ist leider fast aufgebraucht und nur die Hälfte der Fotos online stellen ist auch irgendwie blöd.
Hat irgendjemand eine Idee, wo man die online stellen kann, dass man sie auch ohne Anmeldung betrachten kann? Und wo ich mehrere auf einmal hochladen kann und nicht immer nur eins auf einmal? Wäre dankbar für Vorschläge!

Ach und eingekauft habe ich übrigens auch schon ganz viel. Tante 1 und 2 – ich habe schon was für euch, ich kann es kaum erwarten, euch diese Sachen zu überreichen. Vor allem Danni, du würdest hier echt ausflippen, weil es so viele Sachen gibt, die dir supertoll gefallen würden!
Überhaupt, hier gibt es so viele tolle Sachen, ich weiß gar nicht, wem ich was mitbringen soll ^^ Na, wir werden sehen.
Mails werde ich demnächst beantworten, ich hinke gerade etwas hinterher.. Daher verzeiht mir bitte, wenn es dauert mit den Antworten. Aber bitte nicht aufhören zu schreiben, ihr macht mir damit immer eine so wahnsinnig große Freude!!

Dann macht es jetzt mal gut. Und bis bald, meine Besten!

Jana <3

PS: Ach und schönen Tag der deutschen Einheit ^^
3.10.09 13:01


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